Was wirklich schön ist
Südwest-Presse Horb 28.04.2018
von Gerhard Rebmann
Empfinger Knirpse bekamen Werte-Unterricht – mit dem Märchen „Schneewittchen“
Foto: Gerhard RebmannDie Schul-Aula wurde zur Theaterbühne: Das Ensemble der „Theaterwelten Chamäleon“ aus Dettingen gab für Kinder der drei Kindergärten und der Grundschulklassen 1 bis 4 das Märchen „Schneewittchen oder die Magie des Spiegels“. Die frische und magische Bearbeitung orientierte sich am Märchen der Gebrüder Grimm, interpretierte das Thema aber neu und überraschte insbesondere am Schluss. Die Leiterin, Schauspielerin und Regisseurin Dorothee Jakubowski wollte einen gegenwärtigen Schönheitswahn und den Verlust von Werten thematisieren und die Bedeutung innerer Schönheit hervorheben.
„Wir sind keine Freunde pompöser Ausstattungen“, erzählte die Theaterpädagogin und Tanztherapeutin, „wir richten das Hauptaugenmerk auf die Botschaft.“ Als Kulissen dienten deshalb lediglich eine schwarze Stoffwand, ein angedeuteter Laufsteg für die Auftritte der Königin, eine spartanische Matratze und ein schlichtes Tischchen im Heim der Zwerge.
Die Einfachheit der Ausstattung kam auch am Kostüm „der sieben Zwerge“ zum Ausdruck: Swen Richter hatte eine Zwergenmütze auf dem Kopf, die mit den Anfangsbuchstaben der kleinen Wichte bestickt war. Die drehte er nach vorne, je nachdem, welcher kleine Mann gerade seinen Auftritt hatte. Außerdem gab er ihnen unterschiedliche Dialekte. Der Erzähler und Darsteller des Spiegels, Andreas Schnell, hatte seine liebe Mühe sich zu entscheiden. zwischen der Antwort, die die graziöse Königin auf die Frage, wer die Schönste sei, erwartete, und der Preisgabe der Wahrheit.
Beeindruckend, mit wie viel Noblesse Doro Jakubowski die Königin gab und wie Swen Richter in Karohemd und Cordhose den Kontrast hierzu herstellte. Elisabeth Kaiser indes wandelte sich von der erlauchten Königstochter in eine empfindsame junge Frau. Die rief dann auch ein überraschendes Ende hervor: Die glamouröse Königin im roten Abendkleid streifte sich die Fesseln des auf äußerliche Schönheit abzielenden Wahns ab, Mutter und Tochter lagen sich in den Armen und es fand eine glückliche Versöhnung statt. Als Wertmaßstäbe konnten die Kinder der Handlung Liebe, Verzeihung und Hilfsbereitschaft entnehmen. Ein lang gezogenes „Ooooohhhh“ und großer Beifall begleitete die Dankesworte von Rektor Rudolf Linsenmann.

