Flotte Sprüche, klare Botschaft
Wer Schwäbisch versteht, hatte seinen Spaß am Theaterstück „Der Entaklemmer“ von „Das Chameleon – Theaterwelten“ im Schlosshof in Glatt.
Schwarzwälder Bote 13.08.2018
Von Margita Manz
Foto: Margita Manz„Das Chameleon – Theaterwelten“ gastierte am Samstagabend im Schlosshof in Glatt mit seinem neuen Stück „Der Entaklammer“, ursprünglich von Thadeus Troll, nun überarbeitet und der Truppe direkt auf den Leib geschnitten von Dorothee Jakubokowski.
„Der Geizige“ von Moliere auf schwäbisch kam bei den vielen Zuhörern sehr gut an.
Bei „Chameleon“ heißt der „Entaklemmer“ Karlene Knaup (Dorothee Jakubowski) – und ist anders wie im Original eine Frau. Und was für eine. Unter einem „Entaklemmer“ versteht der Schwabe einen besonders geizigen Menschen. Warum? Enten pflegen ihre Eier nicht wie Hühner in wohlvorbereitete Nester, sondern einfach und oft unauffindbar in die Landschaft zu legen. Deshalb kneift (schwäbisch: klemmt) der Besitzer die Tiere, bevor er sie aus dem Stall lässt, ins Hinterteil. Spürt er dabei, dass die Ente ein Ei trägt, so darf sie nicht ins Freie.
Jeder will was vom Kuchen
Karlene Knaup liebt ihren Schatz in der Schatulle mehr als alles andere auf der Welt. Sie hegt, pflegt und vermehrt ihn. Der sparsame Schwabe oder die Schwäbin kennt dies, aber wenn es in Geiz und Hinterlist ausartet, sind die Mitmenschen meistens nicht besonders erfreut über solch sparsames Wirtschaften. Kinder und Freunde, so man in der Situation noch welche hat, kommen oft nicht mehr in den Genuss, dass das Leben schön und liebenswert ist, sondern nur entbehrungsreich und karg. Als Frau Knaup, ein richtiger „Entaklemmer“, nun auf Freiersfüßen unterwegs ist, versucht jeder in ihrem Umfeld, etwas vom Kuchen zu bekommen. „Phäb ond lausig“ kann es da schon zugehen, und manch Armer weiß gar nicht, wie viel dr’ Reiche Sorge habe kennet, wenn se 10000 Mark verstecke miaset. Christliches Denken und Mitgefühl bleibt dabei oft auf der Strecke.
Derbe schwäbische Aussagen
In den verschiedenen Szenen mit den Angestellten und den Kindern der „Entaklammerin“ kamen immer wieder derbe schwäbische Aussagen heraus, die mit lautem Gelächter des Publikums aufgenommen wurden. Wer „sauguat“ schwäbisch „schwetzt und verstoht“, hat richtig gute Karten, sich beim Lustspiel köstlich zu amüsieren.
Die Liebesgeschichten von Tochter Hilde (Lea Kirn) und Marian (Luis Schneiderhan) sowie Sohn Alois (Christph Daecke) mit Verwalterin Eugenie (Valetina Sadiku) führen genauso zum Happyend wie das Mitwirken von Heiratsvermittler und Kommissar Karl (Ferdinand Rother) und dem Herrn Hurlebaus, (Andreas Schnell), der seine Kinder wiederfindet. Frau Knaup bekommt ihren Schatz zurück, verzichtet zugunsten ihrer Tochter auf die Heirat mit dem jungen Marian, die Angestellte Frida (Monika Burgala) darf kochen was sie will und alles wird wieder gut.
Mit zahlreichen flotten intelligenten Sprüchen war die Vorstellung gespickt. „Lass’d Fenger von ra scheena Schissel, wenn nix drenn isch“, wurde beispielsweise geraten. Was bedeutet: Von schönen aber armen Leuten sollte man sich besser fernhalten. Oder: „Suach dir Freind, die von „Gebahause send und net von Holenbach“, erheiterten alle.
Die Vorstellung unter freiem Himmel war für „Das Chameleon – Theaterwelten“ und für die Zuhörer ein toller Erfolg.

